Bürgerhaus Oppau

Heute war es wieder soweit. Die neue Ausgabe der „Die Lokale“ ein Blatt des Gewerbevereins Oppau befand sich wieder bei uns im Briefkasten.

Es ist jedesmal spannend, denn regelmässig finden sich Stellungnahmen zu interessanten Themen. Der Herausgeber selbst lässt sich in einem mehr als holprig wirkenden Interview von seinem Drucker einige höchst passende Fragen stellen. So werden wir den Eindruck nicht los, dass es sich um ein Interview der eher „gewollten“ Art handelt wenn der Drucker den Herausgeber interviewt.

Das liest sich dann so:

„Das Bürgerhaus – Oppau ist ein Thema welches die Bevölkerung im Norden Ludwigshafens insbesondere von Oppau, zur Zeit beschäftigt. ‚Die Lokale-für‘ Oppau-Edigheim-Pfingstweide wird sich nicht politisch einmischen, sie wird hier nicht die Plattform für Parteien bieten. Jedoch kommt sie als Ortsteilzeitung (gemeint ist die Zeitung des Gewerbevereins, die Red.) um das Thema nicht herum. Das Ziel ist es Meinungen und Eindrücke zu sammeln, der hier lebenden Menschen. Wir wollen wissen was sie bewegt. Die Politiker der verschiedensten Parteien haben sich ja hinreichend zu diesem Thema geäußert.“

Dies passt genau in das Verhaltensmuster des 2. Vorsitzenden der ARGE Edigheim, der Herr Haas ja auch ist. In diesem Gremium hat er 2008 und 2009 zur Edigheimer Kerwe die damalige Entscheidung mitgetragen, den Ortsvorsteher als politischen Vertreter nicht mehr die Edigheimer Kerwe eröffnen zu lassen.

Passiert das gleiche Spiel hier wieder? Eine Diskussion anstoßen und unliebsame Wortmeldungen per Ordre de Mufti ausschließen? Das haben wir von diesem Herrn mehr als einmal erlebt.

Er hat bis Heute ganz offensichtlich seine einseitige Meinung unverändert beibehalten, im Stile von: Berichten ja, aber nur positiv im eigenen Sinne. Am Ende des Artikels lädt er die Leserinnen und Leser sogar noch ein: „schreiben sie uns. Wir wollen eine breitgefächerte Meinungsbildung“?

Das lesen wir allerdings zweimal:

„breitgefächerte Meinungsbildung“ ein verräterischer Lapsus. Er will also Meinung bilden! Bedeutet dies etwa, dass er möchte dass sich viele verschiedene Meinungen bei der Bevölkerung bilden?
Wohl eher nicht. Viele verschiedene Meinungen sind in diesem Fall nicht genehm. Vielmehr geht es um die einzige Meinung, dass keinesfalls eine Sponsorenlösung wie REWE/Görtz diskutiert wird, geschweige denn sich durchsetzt.
Denn das wäre in der Tat weniger dramatisch für die immer wieder bemühten Blumenläden. Vielmehr hätten die Bäckerläden in und um das Rathaus grosse Verluste hinzunehmen.

Wie sagte Peter Görtz uns im Interview? „… der erste Pfeiler in Oppau ist eingeschlagen…“

So steigt verständlicherweise die Angst gerade beim Franchisebäcker Kamps, dessen Inhaber Haas eben ist.
Die Firma Theurer wird es eher sportlich nehmen, besitzt die Familie ein paar Läden mehr, als Herr Haas, der lediglich in der Pfingstweide mit noch einem kleinen Lädchen vertreten ist. Insofern ist seine Motivation klar. Wenn wir uns die Schlange, alleine Sonntags vor Görtz in Oppau anschauen, dann verstehen wir dies durchaus.
Zu diesem Eingeninteresse das eigene Blatt, so plump einzusetzen ist natürlich amateurhaft eingefädelt. Werbeprofis und Strategen gehen deutlich geschickter vor.

Einige der Haas’schen Argumente beleuchten wir nun näher

Erreichbarkeit von Geschäften

Die Aufzählung und Erreichbarkeit aller Geschäfte im Ort ist ja sehr beeindruckend. Zur Sicherstellung der Nahversorgung empfiehlt er die Benutzung von Bussen, Pkw, Fahrrad „und ganz wichtig zu Fuß“, wie er sagt.
Wunderbar, für diejenigen, die noch mobil sind. Für die Generation der „Rollator-Fahrer“ jedoch muss solch eine Aussage wie Hohn klingen. Vielleicht ist er einer Derjenigen, bei dem die „Rollator-Fahrer“ nichts auf der Fahrbahn zu suchen haben. Diese müssen auf den Bürgersteig, wenn es auch durch den Ort bis zum vorgesehenen Ziel nur so von unüberwindlichen Bordsteinkanten wimmelt. Für die betroffenen Bürger sind Geschäfte wie ALDI, LIDL, PENNY und LOGO unerreichbar, außer sie wohnen direkt daneben!
Ihr Einkaufsradius ist unerträglich eingeengt.
Kennzeichnend für die Gedankenlosigkeit in dieser Sache ist offenbar die Tatsache, dass Menschen wie Haas & Co sich selbst nicht mit einem Rollator sehen. Sie sollten sich nicht wünschen, dass sie einst mit ihrem Rollator einen Bus benötigen, um den Einen oder Anderen Einkaufsmarkt zu erreichen.
Mal ganz abgesehen davon, wie lange die jetzigen Besitzer den Nutzkauf-Markt noch halten, dann geht die Suche wieder von vorn los. Wenn dann überhaupt noch Jemand in der heutigen Zeit solch eine kleine Ladenfläche will. Die Wege zum Einkaufsmarkt werden für die Rollator-Geher unerreichbar. Was dann? Dann wird man die Kinder (sofern welche da sind) fragen und mit in den Supermarkt auf der grünen Wiese fahren. Parken kann man dort ohnehin einfacher. So sieht also Zukunftsplanung für einen Stadtteil aus?

Einkaufshilfe

„Und erwähnt werden sollte zudem, das Diejenigen die durch Familienangehörige oder den Helfern der Sozialstationen versorgt werden, nicht auf die Wurst ihres Metzgers verzichten wollen (z.B.)“
Wir jedenfalls haben noch nichts davon gehört, dass die Helfer von Sozialstationen für Pflegebedürftige „die Wurst ihres Metzgers“ einkaufen.

Lieferverkehr

„… durch den Lieferverkehr des dann dort ansässigen Discounters (mehrmals im Monat). Hinzu kommen die Anlieferungen bis zu 5 mal täglich der dann dort vorhandenen Fremdwarenanbieter. Und das oftmals schon um 4:00 Uhr …“

Gleiches Argument für Alle: Wie oft am Tag und zu welchen Uhrzeiten kommen die Lieferfahrzeuge von Kamps?

Bürgerhaus

„…Nicht zu vergessen ist der Seniorentreff im Bürgerhaus. Die Nutzungsräume sind über kurze Treppenstrecken zu erreichen. Aber was sieht das Konzept Verbrauchermarkt vor?
Die Nutzungsräume sollen auf den Verbrauchermarkt oben aufgebaut werden. Dies ist zwar lobend zu erwähnen, aber wie kommen die Menschen dort hoch? Über einen Fahrstuhl soll die Erreichbarkeit auch für ältere und gebrechliche Menschen gewährleistet sein. Aber wie kommen jene dorthin, die keinen Fahrtstuhl fahren können? Oder wie sieht es mit den Fluchtwegen aus, insbesondere für die älteren Herrschaften, wenn der Fahrstuhl nicht mehr nutzbar ist?“

Wo ist der Unterschied bei einem Seniorentreff jetzt in den Kellerräumen, die absolut nicht Barrierefrei sind, und zukünftig im ersten Obergeschoss über Fahrstuhl Barrierefrei erreichbar wären.

„Aber wie kommen jene dorthin, die keinen Fahrtstuhl fahren können? „ so Haas,
… sind da Menschen gemeint, die etwa eine „Fahrstuhl-Phobie“ haben?
Und wie sieht es mit den jetzigen Fluchtwegen im Bürgerhaus aus?

Daher weht der Wind!

Eine derart einseitige Argumentation lässt einen anderen Verdacht aufkommen.
Nachdem er bei einer früheren Versammlung der Vereinsvertreter, das Argument brachte: „im REWE-Markt werden auch Blumen verkauft, da können die Blumengeschäfte im Ort gleich schließen“, bringt er in seiner Gewerbevereinszeitung eine größere Aufzählung von Geschäften die betroffen sind. Jetzt sind auch Bäckereien mit aufgezählt, die geschlossen werden, wenn Görtz kommt!

Die falschen Fragen

Die Frage: „Aber wird ein Verbrauchermarkt den Ortskern Oppau nicht beleben ?“ beantwortet Haas so:

„Beleben? Beleben heißt mehr Menschen als bisher in den Ortskern von Oppau als Konsumenten zu bringen. Wer aber kommt wegen eines Verbrauchermarktes um dort seine Grundversorgung zu tätigen, extra nach Oppau?, frage ich mich. …“
Da stellt er sich die falschen Fragen. Extra nach Oppau wird deswegen sicherlich kaum jemand kommen, aber die Oppauer selbst werden sich bei größerer Auswahl anders entscheiden und auch auf Qualitätsunterschiede achten.

„Wo wir hinziehen, schaffen wir Zentren“

war am 4. Oktober die Aussage von Peter Görtz bei der Eröffnung der Oppauer Filiale. Und er hatte recht. War der Anfang der Edigheimer Straße bis zur damaligen Dresdner Bank so gut wie verwaist, braucht man Heute noch kein Jahr danach nur mit offenen Augen und etwas Erinnerungsvermögen durch diesen Straßenteil zu gehen. Es ist wieder Leben. Die Görtz-Filiale ist, so stark frequentiert, dass zu manchen Zeiten Käufer-Schlangen in 2er-Reihen bis an den Fahrbahnrand stehen, während gleichzeitig bei Kamps/Haas Funkstille herrscht. Wir sehen Viele, die bei Görtz einkaufen und frühstücken.

Jetzt macht seine Aussage erkennbaren Sinn:

„… Durch solch einen Markt sind massive Einbusen bei den Umsätzen der naheliegenden Geschäfte vorprogrammiert. Und das wiederum führt dazu, dass viele Geschäfte entlang der Hauptstraße und den Nebenstraßen geschossen werden müssen.“
(Tippfehler wurden von uns nicht verbessert sondern original übernommen).

Das trifft dann Herrn Haas, sehr persönlich. Daher die gewaltige Angstmacherei. Dann wird praktisch „über die Straße“ noch eine zweite Görtz-Filiale entstehen, mit dem gleichen Effekt und Kamps/Haas dazwischen. Das Zentrum wird sich logischerweise in Richtung Bürgerhaus/Rewe/Görtz verschieben – Eine Entwicklung, die Herr Haas seine Franchisebäckerei Kamps kosten kann.

Die Fakten

Kosten für die Version Neubau

Unbekannt.
Wie hoch die Miete im Neubau sein wird, ist unbekannt, sie wird jedoch höher sein als Heute.

Kosten für die Version Renovierung

Ein Gutachten von vor 3 Jahren zeigte 640 000 € Reparaturbedarf. Dies reicht Heute auf keinen Fall mehr aus. Außerdem ist das gesamte Umfeld des Bürgerhauses nicht mit einkalkuliert. Zur Zeit gehen vorsichtige Schätzungen von Insidern von 2.5 Mio € aus.
Niemand hat bis jetzt danach gefragt wie hoch die Miete nach der Renovierung ausfällt. Auch da werden die angefallenen Kosten vermutlich teilweise auf die Mieter umgelegt. Oder sollte das etwa anders sein, als bei einem Neubau?

Die Stadtverwaltung hat kein Geld, damit bleibt kein Spielraum. Den Rest dürfen sich die Leser selbst ausrechnen.

Fazit

Herr Haas argumentiert im Sinne seiner Mitglieder und auf jeden Fall in starkem Eigeninteresse. So gesehen verstehen wir seine Argumente.

Die Wünsche des Ortsbeirates haben nur Empfehlungscharakter.
Entschieden wird im Stadtrat.
Dieser hat die Summe für die Renovierung, nicht im Haushalt – auch nicht ratenweise.
In der Zwischenzeit verfällt das Bürgerhaus – warten wir es ab.

Mit besten Grüßen

Kurt Müller