Der Deutschhof

Deutschhof
Deutschhof

Am 9. November 1248 wird urkundlich festgehalten: „Papst Alexander IV. gewährt, Lehen ausgenommen, dem Deutschorden ein Anrecht auf allen beweglichen und unbeweglichen Besitz freier Personen, die in ihm Profeß (=Gelübde) abgelegt haben, aber gleichwohl im weltlichen Stand freiwillig verblieben sind.“ Somit waren die Deutsch-Ordensritter, mit Erlaubnis des Papstes, berechtigt weltliche Güter anzusammeln.

Aus einer weiteren am 20. Oktober 1264 in Friedberg ausgestellten Urkunde ist zu entnehmen, daß Teile von Oppau im Besitz des Königs waren. Denn „Chonrad II König von Jerusalem und Sizilien, Herzog von Schwaben belehnt den Johannes von Hirszpergk samt seinen Brüdern und Schwestern aus Dank für seine und seiner Vorfahren treue Anhänglichkeit mit den Leuten von Vertincheim, Oppauwe und Walt..htum wie sie ihm schon der Vater des Königs verliehen hatte, mit der Bestimmung, daß sie bei einem etwaigen Tod des Belehnten an dessen Schwestermann Ch. von Steyna übergehen sollen.“

Auf der Burg Baden überträgt am 2. Februar 1273 Markgraf Rudolf von Baden „dem Deutschorden seine sämtlichen Güter von Oppauwe, welche mit 66 Pfund Heller zu Gunsten des Ritter Friedrich von Huchelheym belastet sind, von dem sie der Orden zurückkaufen kann.“

Auch das Domkapitel zu Speier machte Oppau zu Geld. Am 3. Februar 1275 „verkaufen Dekan Albrecht und das Domkapitel zu Speier ihre Zinsen zu Oppauwe, Wormser Diözese, an das Deutschordenshaus zu Speier.“

Im Jahre 1275 muss Oppauwe für damalige Verhältnisse schon eine beachtliche Größe besessen haben, denn aus dem „Güterbeschrieb“ dieser Schenkungsurkunde ist zu ersehen, dass Oppau ein unteres und ein oberes Feld hatte von dem ein „Drushard von Oppauwe“ 58 und 48 Morgen Blachfeld (= weites, flaches Feld), sowie noch einiges andere an die Deutsch-Ordensritter verschenkte.

Deutschhof Urkunde 1228
Deutschhof Urkunde 1228

„Schenkung 1275 Juli 28
Die Richter von Worms (d.h. der Offizial des Wormser Bischofs) beurkunden, dass vor ihnen und den Schultheißen, Gerichtsschöffen und Hübnern (*2) der Dörfer Oppauwe, Otemkym, Karlebach und Mundenheim, Drushard von Oppauwe, nachdem ihm das Gericht das freie Verfügungsrecht über seinen Besitz zuerkannte, sein in der Gemarkung dieser Dörfer gelegenen Güter den Deutschordensbrüdern geschenkt und aufgelassen habe.
Güterbeschrieb: zu Oppauwe im unteren Feld 58 Morgen … Blachfeld und alle seine Wiesmahden daselbst, ebendort und in Otenkeim alle seine Zinsen und Zinskapaune, außerdem in Otenkeim 3 Viertel, die auf deutsch „honrecht“ (= Hofrecht ?) heißen und einen Hof; im oberen Feld des Dorfes Oppauwe 48 Morgen Blachfeld und die Mühle, in Karlebach 13 3/4 Morgen Wingert, 2 3/4 Morgen Blachfeld und einen halben Hof, in Mundenheim 15 Malter Ewigkorn, Pfenniggült (*3) und Zinskapaune soweit ihm dort zuständig.
Zeugen welche bei der Auflassung in den Dörfern Odenkeym und Oppauwe anwesend waren: Colbo Ritter, Wernher Schade, Wernher Anderlachen, Frideger, Johannes Schultheiß zu Odenkeym, Johannes Schultheiß zu Oppauwe, Wernherr Federe, Conrad von Odenkeym, Conrad Hoffeman, Heinrich Rische und Eppo.“

(*2) Hübner, die Wild und Wald pflegten

(*3) Pfenniggült = Schuld = Geldabgabe

Offenbar waren die Oppauer – trotz der vielen Zeugen – in der Folgezeit aber nicht gewillt, ihren jährlichen Zins an die Deutsch-Ordensritter zu entrichten. In einer Gerichtsverhandlung verlieren die Oppauer und müssen zu genau festgelegten Zeiten ihre Zinszahlungen an die Deutschordensbrüder leisten.

Das Wormser Gericht legt am 20. April 1299 folgendes fest:

„Die Richter von Worms verbriefen das Anerkanntnis der Gemeinde und der Leute des Dorfes Oppauwe über einen von ihnen in das Deutsche-Ordenshaus zu Winheim zu leistenden aber von ihnen bisher verweigerten jährlichen Zins von 20 Malter Weizen, 2 Pfund Heller und Hühnern. Zinstermine: für den Weizen Mariae Himmelfahrt und Mariae Geburt, für die Hälfte des Geldes Weihnachten für die andere Hälfte Pfingsten, für die Hühner Fasnacht. Die Gemeinde und die Leute von Oppauwe verzichten auf alle weiter näher bezeichneten Behelfe des kanonischen und zivilen Rechts.“

Über die weitere Zeit bis in’s 18. Jahrhundert erzählt uns die Abschrift einer Urkunde der Deutschordens-Ritter einiges. Gegenüber der Schenkungsurkunde von 1275 besaßen die Deutsch-Ordensritter mit ihrem zweitgrößten Freigut auf Oppauer Gemarkung nun schon 480 Morgen Land.

„Von 1273 bis 1798 standen hier zwei lange Hofseiten, der sogenannte ‚Deutschhof‘, ein Freihof der Deutsch-Ordensritter, die hier das zweitgrößte Freigut des Ortes (480 Morgen) besaßen, einst auch die ‚halbe Gerichtsbarkeit‘ im Dorfe ausübten und noch im 18. Jahrhundert Fasnachtshühner aus der ‚Hinkelgasse‘ bezogen (Siehe unten: Ortskern Oppau 1718, mit ‚Teutschherren‘ bezeichnet).

Die zwei letzten Hofbauern waren Valentin Gönnheimer und Franz-Joseph Duttenhöfer, die mit 50 Stück Schafen, 24 Pferden, 26 Stück Rindvieh und 72 Schweinen (jeder Hofanteil zur Hälfte) auf der Gemeindeweide weideberechtigt waren und schließlich 1798 infolge grausamer Kriegs- und Hochwasserschäden als Bettelleute vom Hofe Abschied nehmen mussten.

Die alten Gebäutlichkeiten fielen 1921 der furchtbaren Explosionskatastrophe zum Opfer.“

Deutschhof Wappen
Deutschhof Wappen

Im wieder aufgebauten Deutschhof zeugt heute nur noch eine lapidare Wappeninschrift von all diesen Vorgängen:
„Auf diesem Platze stand vor der Explosion 1921 der ‚Deutschhof‘ ehemals ein Freihof des Deutschordens oder der Deutschherren, die von 1270 bis 1798 dahier ein Gut von 784 Morgen besaßen, für die Gutsangehörigen in das Dorfgericht einen eigenen Schultheißen abordneten und durch ihren Hühnerfaut (*4) die Rauchhinkel in der Hinkelgasse dahier einsammeln ließen.“

(*4) Bei dem mit dem Namen Hühnerfaut (Vogt) tätigen Beamten mussten einst Steuerleistungen in Naturalien oder Geld abgegolten werden …

1718 Ortskern Opau
1718 Ortskern Opau

Ortskern Oppau 1718.

Das Gebiet der ‚Teutschherren‘ war im Süden durch die Kuhgasse (Friedrich-Straße), im Osten durch die Rustengasse (Edigheimer-Straße) und im Westen durch die Rathausgasse begrenzt. Nach Norden grenzte ein den ‚Domherren zu Worms‘ gehörendes Grundstück an. Die Zehentstraße gab es noch nicht. Die Rustengasse endete im Süden an 2 Häusern, auch die Friesenheimer-Straße gab es noch nicht. Was auf dem Plan noch zu sehen ist: das damalige Rathaus stand am nördlichen Ende der Rathausgasse, auf dem späteren Gelände der katholischen Kirche.

Quellennachweis: Urkunden von Frau Linda Beller-Fischer.

Deutschhof heute
Deutschhof heute

Der Deutschhof heute. An der Kreuzung
Edigheimer- Friesenheimer /Friedrich- Bgm. Trupp-Strasse: