Am 21. September 1921 morgens um 7:32 Uhr blieben  die Zeiger der BASF-Uhren still stehen. Zwei gewaltige Detonationen erschütterten das Werk samt einer weiten Umgebung. Explodiert war von dem 1913 in Betrieb genommenen Stickstoffwerk das Düngemittelsilo Op 110. 4500 Tonnen Ammonsulfatsalpeter rissen an Stelle der Lagerhalle einen 130 x 90 m großen und 20 m tiefen Krater.

Unmittelbar nach der Explosion koordinierte der Oppauer Gemeinderat die Soforthilfe. Rettungskräfte aus der Umgebung, Feuerwehren, Sanitäter und das französische Militär kümmerten sich um die Bergung der Toten, Versorgung der Verletzten sowie die Betreuung der Obdachlos gewordenen Menschen.

Als Folge dieser Explosionen waren in den Städten Oggersheim, Ludwigshafen, Frankenthal bis nach Worms und rechtsrheinisch von Mannheim bis Heidelberg Gebäude durch Risse in den Mauern beschädigt, Dächer abgedeckt. Bis nach Frankfurt am Main waren Glasscheiben zerborsten. 561 Menschen ließen bei der Katastrophe ihr Leben, etwa 2000 erlitten teilweise schwere Verbrennungen.

In Oppau, das praktisch im Zentrum der Explosion lag, waren auf einen Schlag 80% aller Wohnungen zerstört und die restlichen 20% hatten starke Beschädigungen. Die Nachbargemeinden waren ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Frankenthal beklagte 128 Verletzte und 30 Tote und „ein Bild wüster Zertrümmerung“. In Heidelberg wurde wegen herabgestürzter Scheiben und Fassadenteile der Strassenbahnbetrieb eingestellt. Das Werk Oppau der BASF, als Ort der Explosion, hatte die meisten und größten Schäden aufzuweisen.

Mehr als 800 Kinder wurden vorübergehend in Kinderheimen oder bei Pflegefamilien in der Pfalz, in Baden und Bayern untergebracht. Die weltweite Hilfsbereitschaft und Spenden wurde unter Ministerialrat Karl Stützel, Bayer. Staatskommissar für das Hilfswerk Oppau geleitet, dessen Arbeit bis zum 30. November 1924 reichte.

Die zentrale Trauerfeier fand am 25. September 1921 auf dem Ludwigshafener Hauptfriedhof in Anwesenheit von Reichspräsident Ebert statt.

Eine vom Reichstag und dem bayrischen Landtag eingesetzte Untersuchungskommission zur Aufklärung der Explosionsursache kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Explosionsunglück

… um eines jener Betriebsunglücke handle, deren Ursachen durch alle Anstrengungen und unter Zuhilfenahme der Wissenschaft und Technik nicht zuverlässig ergründet werden kann.
Sabotagegerüchte wurde von der Kommission als haltlos zurückgewiesen.

Die Bildserie:

Aus der grossen Anzahl Bilder wurden 30 ausgewählt und deren Zustand mit heutigen Mitteln digital nachbearbeitet.

Wir beginnen mit einem kaum bekannten Bild des Zeitzeugen Felix Beringer und zitieren dazu aus seinem Brief:

… (habe ich) das Bild gemalt, das ich sah als ich eine halbe Stunde nach der Explosion am Bremmenweg ankam und an Nicolais Garten die Nackten, im Hemd und mit Blut überströmten Arbeiter, aus dem Werk geflüchtet an der Stelle rennen sah, wo heute die Weiherhofstrasse ist. …

Quellen: Geschichte der beiden Rheindörfer Oppau und Edigheim von Karl Otto Braun, Ludwigshafen 1953, Seiten 624 ff
Bilder:    Private Sammlungen, K-O-Braun-Museum, Stadtarchiv Ludwigshafen und Oppau.Info-Archiv.