Gasthaus zum Pflug

Gasthaus zum Pflug Oppau um 1920

„De Plugg“ und seine Geschichte. Nach Aufzeichnungen von Georg Süß, überarbeitet und ergänzt von Oppau.Info. Die Geschichte des Oppauer Gasthauses „Zum Pflug“ ist am 12. März 1977 nach 219 Jahren durch Verkauf von Familie Kistner und Weiler an die Dresdner Bank zu Ende gegangen.

Es hat in all den Jahren Hochwasser, Kriege und Explosion überdauert und ist in seinen Grundmauern immer erhalten geblieben. Eine Fülle von Geschehnissen in der Geschichte von Oppau hat sich in diesem Gasthaus abgespielt.
Früher war dort ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Stallungen und Scheune. Ein großer Bestand an Pferden, Kühen, Schweinen und Federvieh war vorhanden. Auch eine Schnapsbrennerei befand sich in seinen Räumen. Der Kartoffelschnaps war beliebt bei den Oppauer Maurern, die früh morgens vor dem Fußweg auf ihre Baustelle gerne einen tranken. Der Schnapsverkauf brachte dem jeweiligen Wirt auch einen beachtlichen Geldbetrag ein.

Die Größe des Anwesens umfaßte den Bereich zwischen Kirchenstraße, Rathausgasse (Martinsgasse), Rustengasse (Edigheimerstraße) und Zehentstraße. Da Ackerbau in Oppau zu damaliger Zeit der Hauptlebenserwerb war, wird für die Namensvergabe ein „Pflug“ symbolisch als Pate gestanden haben. Die Gemeinde versteigerte auf diesem Gelände Feld, Holz, Gras, Heu und die Jagd. Auch öffentliche Versteigerungen fanden im „Pflug“ statt. Dies geht aus dem Aufruf vom 1.September 1819 des Frankenthaler Notars Adolai hervor:

1. Aufruf zu einer Versteigerung

25. September 1819 14 Uhr Versteigerung im Gasthaus zum Pflug
25. September 1819 14 Uhr
Versteigerung im Gasthaus zum Pflug

Die in dem Aufruf erwähnte Kisselgasse (Teil der heutigen Friedrichstraße) begann an der Hinkelgasse und erstreckte sich bis zur Großen Gasse. Darauf folgte bis zum  östlichen Ortsende die Kuhgasse.

Für die Oppauer Bürger war „De Plugg“ ein fester Begriff. Seine wechselvolle Geschichte spiegelt sich auch in den Eintragungen des Weisbrod’schen Sippenbuches aus der Schweiz wider:

1753 heiratet Jörg Weisbrod in Oppau Sophie Wallrapp vom Schönauer Hof, kauft das Gasthaus „Zum Pflug“ und wird 1774 in Oppau Bürger.
1794 in der Franzosenzeit wird in einer Gemeinderechnung erwähnt, daß Georg Schmitt der Gastwirt vom „Pflug“ war.
1824 heiratet Johann Peter Weisbrod II. die Tochter des Bürgermeisters Jakob Pfarr und übernimmt den „Pflug“.
1832 heiratet Johann Georg Weisbrod (der sich Jakob nennen ließ) seine Base Anna Margarethe Weisbrod und wurde „Pflug“-Wirt.
1835 war Georg Schmitt wiederum Gastwirt im „Pflug“. Ihm war in der Zeit von 1830 bis 1835 eine Klage wegen Schmuggelei anhängig gewesen.
Das Gasthaus blieb durch Verwandtschaftsehen der Familie Weisbrod erhalten. Letzter Besitzer des „Pfluges“ war Richard Hessler aus Heidelberg und seine Ehefrau Anna Marie geb. Weisbrod aus Oppau. Die Stallungen wurden zu anderen Zwecken verpachtet.

1911 baute Johann Ulrich im Auftrag der Familie Hessler und Weisbrod das Odeon-Kino auf dem Grundstück des „Pfluges“.
1912-1914 hatte ein Jäger das Odeon-Kino gepachtet
1914-1919 wurde das Odeon-Kino an einen Metzger verpachtet.
1919 kaufte Nikolaus Reif das Grundstück samt Kino (ohne das Gasthaus „Zum Pflug“) von Familie Hessler und mietete den Tanzsaal vom „Pflug“. Außerdem baute er eine Zigarrenfabrikation mit dem Markenzeichen „Rauch Reif 00“ auf.
1921 wurde durch die Explosion das Kino vollkommen zerstört, der „Pflug“ erlitt jedoch nur geringen Schaden. Beim Wiederaufbau wurde ein größeres und moderneres Kino erstellt.
1921 kaufte die Frankenthaler Volksbank von der Familie Hessler den vorderen Gebäudeteil des „Pfluges“ um darin eine Filiale zu errichten.

1921 erwarb Bürgermeister Heinrich Süß von der Familie Hessler den durch die Explosion geschädigten Teil des „Pfluges“ mit Wohnung. Er baute ihn wieder auf und eröffnete am 19. Juli 1924 das Gasthaus „Zum Pflug“ erneut.
1925 kam Nikolaus Reif in Zahlungsschwierigkeiten und mußte seinen Besitz an Adam Nieder für 70.000 RM verkaufen.
1935 ersteigerte Emil Kistner von Oppau den „Pflug“ von Bürgermeister Heinrich Süß und Erben für 27.000 RM.

Geschichten

Oppau 1938. Zum Pflug. Daneben Metzgerei Wilhelm Fröhlin, dann kath. Kirche und rechts: prot. Kirche
Oppau 1938. Zum Pflug. Daneben Metzgerei Wilhelm Fröhlin, dann kath. Kirche und rechts: prot. Kirche

In den Räumen des „Pflugs“ hat sich ein Teil Oppauer Ortsgeschichte zugetragen. Für Sitzungen und Versammlungen war der „Pflug“ der Tagungsort. Handelsleute und fahrendes Volk fanden hier Verköstigung und eine Schlafstelle, wobei so mancher Scherz kundgetan wurde.

Alle alten Oppauer hatten einen Spitznamen, aber keiner fühlt sich durch die Anrede beleidigt. Hier eine wahre Begebenheit:

De Hannes Mees un de Dappe sitzen am Stammtisch. Eine neue Bedienung aus dem Rheinland  versteht den Oppauer Dialekt noch nicht. Sie geht an den Stammtisch und fragt in Hochdeutsch: Herr Tapfen was bekommen Sie? „En Schoppe“! Herr Meis was bekommen Sie? „A eener“! Die Oppauer Gäste lachten. De Hannes sagt noch: „So foi hat noch niemand moin Name g’sagt“. Mit der Zeit lernte die Bedienung jedoch die Oppauer Sprache.

1971 war im Hof vom Gasthaus zum Pflug ein Torschlußstein eingemauert, der von einer Auf- oder Umbauarbeit des „Pflug“ stammt. Die darin eingravierten Zeichen: M.G.E.B.S 1787 (also 1827).

Ebenfalls 1971 hing im Gästeraum des „Pflug“ ein Ölgemälde, nach der Explosion von Malermeister Heinrich Feger gefertigt. Auf ihm war das Gasthaus „zum Pflug“ dargestellt mit dem Textschild darunter: „Hier stand der alte Gasthof ‚Zum Pflug‘. Erbaut Anno 1827, zerstört durch die Explosion von 1921, Wiedereröffnung am 19. Juli 1924“.

Im Nebenzimmer des „Pflug“ war ein eine Wandfläche füllendes Ölgemälde von Heinrich Feger angebracht: Ein Bauer steht vor seinem Ochsen, die Beschriftung lautete: „Mer kennten lewe wie die Brüder, wann du wärschd wie ich“.

Die Wirte im „Pflug“

Aus der über 200 Jahre alten Geschichte des „Pflug“, sind die Namen dieser Wirte festgehalten:
1753            Jörg Weisbrod
1824            Bürgermeister Jakob Pfarr
1835            Georg Schmitt
1895            Johann Keck
1900            Wendel Böhn, Schauernheim
1900-1901    Adolf Mäurer
1901-1903    Georg Böhn, Edigheim
1903-1904    Fritz Eisinger
1905-1906    Karl Cürtet
1906-1910    Karl Knecht
1911-1912    Michel Kraus
1913-1916    Jakob Baumgärtner
1916-1919    Johann Grüsser
1919-1921    Jakob Rutt
1921            Bürgermeister Heinrich Süß
19.7.1924     Eigentümer Franz Süß,  Neueröffnung
1932-1933    Ludwig Süß
1933-1935    Georg Rutt
1935             Emil Kistner, ersteigert den „Pflug“
1940-1945    Durch Kriegseinwirkung wurde der „Pflug“ beschädigt.
1945-1946    Wiederaufbau
1946-1960    Karl Seefried
1960-1968    Hubert Weiss
1968-1972    Gebr. Hans und Fritz,  Schittenhelm
1972-1977    Bernd Zaun
1977            Wurde das Gasthaus „Zum Pflug“ aufgegeben.

Im Pflug trafen sich am Stammtisch auch ganz lustige Burschen. Dies ist einer gedruckten Broschüre extra für den Stammtisch vom „Pflug“ zu entnehmen. Hier die Abschrift davon:

Stammtisch-Statuten im Pflug

Stammtischstatuten im Pflug
Stammtischstatuten im Pflug
  1. Zweck der Gesellschaft ist Sonnabend
  2. Wenn 5 Mitglieder versammelt sind, ist auch an den übrigen Tagen Sonnabend, versammelt sich nur Einer, so ist kein Sonnabend.
  3. Um die Mitgliedschaft des Vereins kann in schwachen Stunden nur derjenige nachsuchen, der das 25. Lebensjahr erreicht hat und der einsieht, daß er noch nicht vernünftig geworden ist.
  4. Jeder Bewerber muß nachweisen, daß er wenigstens 5 Dummheiten in seinem Leben begangen hat. Verheiratete haben selbstverständlich nur 2 nachzuweisen.
  5. Jedes Mitglied erhält eine Vereinsnummer, welche zu merken ist. Wer sie vergißt, zeigt, daß er wirkliches Mitglied ist.
  6. Der Vorstand besteht aus sämtlichen Mitgliedern. Diese wählen einen Stellvertreter und ein gewöhnliches Mitglied, welches unten sitzt und die Debatten leitet.
  7. Das Vermögen des Vereins wird nach halben und ganzen Schoppen berechnet.
  8. Darf nicht geändert werden.
  9. Bestimmte Beiträge werden nicht geleistet. Ist die Kasse leer, schickt der Rechner den Schlüssel herum, was jedem Mitglied einen Halben resp. einen Ganzen kostet.
  10. Als Gäste können nur solche eingeführt werden, die mindestens 1 Jahr Mitglied sind.
  11. Ehrenmitglied ist der, welcher nicht Mitglied werden kann.
  12. Die ordentlichen Mitglieder sitzen nach der Reihenfolge und zwar so, daß einer neben dem anderen sitzt.
  13. Kein Mitglied darf einen anderen für dümmer halten als sich selber.
  14. Sollte einer sich selbst für dumm halten, so darf von der Gesellschaft kein Widerspruch erhoben werden.
  15. Die Gesellschaft feiert jährlich 4 Stiftungsfeste, jedoch wöchentlich nicht mehr als zwei.
  16. Sollte die Gesellschaft sich auflösen, so hört die Zahl auf und das Vermögen wird nach §11 verwendet.
Oppau 1977. Gasthaus zum Pflug. Verkauf an Dresdner Bank.
Oppau 1977.
Gasthaus zum Pflug. Verkauf an Dresdner Bank.

Jahrelang war die Volksbank, dann die Dresdner Bank und heute die Commerzbank in diesem Gebäude.