Der Rhein bestimmte seit jeher den Lebensablauf der Menschen, die an ihm wohnten. Nicht ohne Grund nannten unsere Vorfahren ihn Schicksalsstrom. Der Dammbruch von 1882/83 kam nicht von ungefähr, er hat eine Vorgeschichte.

Vor der im 19. Jahrhundert von Johann Gottfried Tulla vorgenommenen Rheinbegradigung waren Überflutungen fast an der Tagesordnung. Nach jedem Rückgang eines Hochwassers hatte sich der Rhein wieder ein neues Bett gesucht. Nicht nur Siedlungen, auch Ackerflächen waren danach immer wieder verwüstet, Krankheiten wie die „Sumpffieber“ genannte Malaria grassierten.

Rheinkarte von 1825
Rheinkarte von 1825

Eine Schifffahrt, wie wir sie heute kennen war damals nicht möglich. Tulla wurde im Jahr 1817 Leiter der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues. Die größte Leistung als Ingenieur waren seine 1809 vorgestellten Pläne zur Rheinbegradigung. Am rechten Rand der Karte ist der Bogen um die als „Friesenheimer Insel“ bekannte Fläche zu erkennen, die nach dem „Friesenheimer Durchstich“ entstand. Da der Rhein auf dieser Strecke die Grenze zwischen Bayern und Baden bildete, wurden am 24. April 1817 und am 14. November 1825 entsprechende Verträge zwischen der „Krone Bayern“ und dem „Großherzogtum Baden“ abgeschlossen.

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Rheinkarte von 1836

Auf einer Karte von 1836 ist der „Friesenheimer Durchstich“ bereits verwirklicht. Jedoch nicht in der Breite und Tiefe dem Flussbett des Rheines angepasst. Dies geschah, wie alten Aufzeichnungen zu entnehmen ist um das Verbreitern und Vertiefen des Flussbettes dem Rhein selbst zu überlassen, Den „Friesenheimer Durchstich“ nannte man nach der Vollendung den „Neurhein“. Georg Ludwig Krebs, damaliger Lehrer in Oppau, schreibt dazu

Wir hatten auch ein ganzes Vierteljahrhundert lang nichts zu klagen. Der Hauptdamm bewährte sich ganz vortrefflich, solange – – kein Wasser daran kam. Der „Neurhein“ war nämlich noch durch besondere Dämme, ‚Sanddeiche‘ genannt, eingeengt, um den Burschen dadurch zu zwingen, sein Bett zu vertiefen und dadurch zu seiner baldmöglichsten Schiffbarkeit beizutragen:

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Rheinkarte von 1867

Am 7. Oktober 1862 wurde der „Friesenheimer Durchstich“ als schiffbar erklärt und ab jetzt als der eigentliche Rhein betrachtet. Zur Stärkung des Handelsplatzes Mannheim war man nun darauf bedacht, auch die Neckarmündung, die früher in den jetzigen „Altrhein“ ging, in den „Neurhein“ gegenüber der Oppau-Friesenheimer Gemarkungsgrenze zu verlegen. Dies wurde in den Jahren 1867 bis 1869 vorgenommen. Georg Ludwig Krebs beklagt auch hier Versäumnisse:

Thatsache ist, dass so manches versäumt wurde. so ließ man z.Ex. die für einen sicheren und festen Leinpfad nötige Erde, die man mit der Schaufel hätte wegnehmen und mit dem Schiebkarren beiführen können, durch den Strom wegreißen und fortschwemmen, und wenn man heute zu diesem Zwecke solche haben will, muss man sie aus der Tiefe baggern oder von weit her beifahren.

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Rheinkarte von 1879

Die Karte von 1879 zeigt den fertigen Neckardurchstich dessen neue Mündung nun genau gegenüber von Oppau liegt. Schon fast prophetisch wird dies von Georg Ludwig Krebs bemängelt:

Seitdem der Neckar seine Wasser in einem Winkel in den Rhein sendet, der bei rapidem Steigen dieses gefällreichen Flusses die Strömung auf unseren Hauptrheindamm leitet, ist es eine ausgemachte Thatsache, dass dieser nicht im stande ist, die ungeheuere Wucht dieses Druckes auszuhalten. War es jedem aufmerksamen Beobachter solcher Verhältnisse vorher schon klar, dass über kurz oder lang eine Katastrophe eintreten werde, so mußte  der 20 Juni 1876 auch dem Zweifler die Augen öffnen.

Soweit die Vorgeschichte. Zum Dammbruch zitieren wir ebenfalls Georg Ludwig Krebs:

Um Weihnachten 1882 hatte das gelinde Wetter verbunden mit dem Föhnwinde, der die Schweiz duchstürmte, die vorhandenen Schneemassen in den Gebirgen mit rapider Schnelligkeit geschmolzen. Es kamen „die Wässerlein alle zu Hauf“, die zahmsten Bächlein schwollen zu reißenden Strömen an, wen konnte es noch wundern, daß der Rhein, dem alle zuflossen, eine Wassermasse erhielt, die seine Ufer nicht fassen konnte. … war der Pegel am 29. Dezember 1882 auf 6,60 m gestiegen. … Abends bezog die Feuerwehr die (Damm)Wache. … da zeigte sich um 9 Uhr an einer Dammstrecke, die seither für ungefährlich galt, eine verdächtige Stelle. …. Der Damm sank plötzlich ein … MIt einem gewaltigen Ruck wurde der so mächtig scheinende Dammkörper auf eine weite Strecke hinweggeschoben ….

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Dammbruch 1882-83

Auf tragische Weise sollte Georg Ludwig Krebs mit seiner Mahnung schon wenige Jahre später Recht behalten, der Damm hielt dem Druck nicht stand.

Die Überschwemmungskarte von 1882/83 zeigt die Bruchstelle des Dammes auf der verlängerten Linie des Neckars genau in Richtung Oppau und Edigheim.

Quelle: „Der Dammbruch bei Oppau am 29./30.Dezember 1882 von G.L.Krebs, Frankenthal 1883“.

1882 war die schlimmste Hochwasserkatastrophe in der Ludwigshafener Geschichte.  Vom Hochwassermeldezentrum RHEIN in Mainz wurden seitdem die zehn höchsten Wasserstände gemessen am:

29.12.1882 (9,17 Meter)
12.01.1955 (8,76)
27.03.1988 (8,59)
28.05.1983 (8,58)
25.05.1978 (8,50)
13.03.1896 (8,44)
28.11.1944 (8,40)
29.12.1919 (8,38)
11.04.1983 (8,36)
17.02.1990 (8,33)
Kurt Müller

Die Bilder stammen aus privaten Sammlungen, dem K-O-Braun-Museum und dem Oppau.Info-Archiv, sie wurden von uns digital nachbearbeitet.