Neues Orchester und neuer Dirigent

MBO-Dirigent Dominik Civilotti.
MBO-Dirigent Dominik Civilotti.

Beim ehemaligen Spielmannszug Kurpfalz ist die Umstrukturierung zu einem modernen Blasorchester in vollem Gange. Neue Musiker sind in den Verein eingetreten und haben damit die bestehende Mannschaft aufgefrischt. Die Anfangsschwierigkeiten sind weitgehend überwunden, die Übungsstunden werden regelmäßig durchgeführt.

Mit einem kleinen Repertoire konnte bereits der erste öffentliche Auftritt an der Oppauer Kerwe zufriedenstellend bewältigt werden. Auf das nächste Ziel, ein Konzert Mitte Oktober 2012, wird zur Zeit mit Hochdruck hingearbeitet. Mit Dirigent Dominik Civilotti haben wir in der Pause während einer Orchesterprobe über seine Ziele und die Chancen des neu aufgebauten Orchesters gesprochen.

Red: Herr Civilotti erzählen sie unseren Lesern etwas über ihren musikalischen Background.
Civilotti: Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich in einem synfonischen Blasorchester in Mannheim gespielt, das ist jetzt die Mannheimer Bläserphilharmonie. Ich bin in einem Blasorchester großgeworden, was dazu geführt hat, dass ich Musik und klassisches Schlagzeug studierte und ausserdem einen pädagogischen Studiengang in Mannheim absolviert habe.

Red: Warum fangen sie hier mit einem Orchester bei Null an?
Civilotti: Ich habe vor über einem Jahr einen traditionellen Verein in der Nähe von Edenkoben übernommen, die sind mittlerweile im Alltagsprogramm schon mit Frühschoppen und traditioneller Musik sehr fest eingebunden. Hier ist ein Spielmannszug der zum modernen Blasorchester umgewandelt werden soll. Für mich ist das eine Gelegenheit, nicht gegen alte Gewohnheiten anzukämpfen, sondern das was ich im Studium gelernt habe, auch gleich zu vermitteln. Als ich mich beworben habe, wußte ich nicht dass das Blasorchester noch nicht besteht, das habe ich erst bei dem ersten Treffen erfahren und sagte mir ok. warum nicht.

Red: Wie beurteilen sie derzeit die Musiker, als Profis oder Laien?
Civilotti: Wir haben letzes Jahr im September angefangen mit ungefähr der Hälfte der Besetzung, wenn man einen Grad ansetzen will, dann 1,5 oder 2, wobei 6 das Höchste ist. Mein Ziel war es, letztes Jahr auf Grad 3 zu kommen. Diesen Stand haben wir längst erreicht. Da kann man nichts sagen.

Red: Wie schätzen sie die Chancen des neuen Orchester ein?
Civilotti: Der Musikerzuwachs ist überaschend gut, bis auf wenige Instrumentalgruppen, wie Klarinetten, Fagott und Hörner. Das ist schade, dass wir da so wenig haben. Oboe könnten wir noch brauchen, Saxophone sind wir gut besetzt.

Red: Klingt doch gut.
Civilotti: Ja,

Red: Zum Repertoire. Wenn sich jemand dafür interessiert, was wird gespielt, was kommt auf den jungen Menschen zu?
Civilotti: Im Grunde möchte ich synphonisch geblasenene Musik etablieren, d.h. Originalliteratur,   synphonisches Blasorchester, große Besetzung mit Baßklarinette und Oboe. Da der Name Modernes Blasorchester lautet, wird das etwas schwierig, wir brauchen  Originalkompositionen unserer Zeit, die heutzutage in Holland verlegt werden.

Red: Was ist ein synphonisches Blasorchester? Wie erklärt man das einem Laien?
Civilotti: Ein Blasorchester, das sich nicht auf das Spielen traditioneller Literatur stützt, sondern in erster Linie Stücke spielt, die Zusammenspiel und Gesamtklang fordern. Wir kommen auch nicht drum herum, Bearbeitungen klassischer Werke zu spielen, oder was fetzigeres wird auch mal gefordert d.h. wir werden sicherlich auch das eine oder andere Medley selbst arrangieren. Das schließt sich nicht aus. Wir werden jedoch kein Kerweorchester sein, das bei seinen Auftritten fetzige Lieder spielt. Ich bin der Meinung man kann auch ein Beatles-Medley wunderschön musizieren.

Für mich ist das eine gute Gelegenheit etwas weiterzugeben und dabei mit zu wachsen. Was die Entwicklung angeht bin ich zufrieden, das eine oder andere Mal muss man daran erinnern, dass man sich zu Hause die Stimmen anschauen muss um hier beim Zusammenspiel überhaupt zu einem Erlebnis zu kommen.

Musik ensteht im Augenblick, alles wächst in dem Moment. Es geht mir nicht um das Einstudieren einer Sache und dann zu sagen ’so jetzt, das ist es‘. Da kann ein Musiker dazukommen, einer kann fehlen, ein anderer Saal, das Publikum ist da, einer ist nervös, alles entwickelt sich immer ganz anders. Daher ich bin immer dagegen nach Metronom einzustudieren

Red: Ist schon ein Konzert geplant?
Civilotti: Ja das hängt davon ab, ob wir mit der Arbeit hinkommen. Am 14. Oktober 2012 wollen wir unsere ganze Bandbreite aufzeigen. Wir werden vielleicht sogar eine Bearbeitung spielen, ansonsten Originalliteratur oder etwas Fetziges, ein zwei Medleys, um zu zeigen, dass die Wurzeln des Vereins nicht zugeschüttet werden mit Neuem. Wir haben uns also schon sehr viel vorgenommen.

Red: Herr Civilotti, wir danken ihnen für das Gespräch.