Der Verein hat eine der heftigsten Veränderungen seiner Geschichte erfolgreich hinter sich gebracht. Was kaum einer für möglich hielt, haben Vereinsführung und Mitglieder/Musiker geschafft.

Den Wechsel vom Spielmannszug mit trivialem Durchschnittsrepertoire zum Blasorchester mit höchsten Ansprüchen und Anforderungen. Der 1956 gegründete Spielmannszug Kurpfalz, spielte seit seinen Anfangstagen, das übliche Standardrepertoire. Und dies passte jahrzehntelang in die Zeit. Mit den Jahren kamen die Veränderungen. Junge Leute wollten diese Musik nicht mehr hören, geschweige denn spielen. So war denn abzusehen, dass es in dem Traditionsverein über kurz oder lang zu Nachwuchsschwierigkeiten kommen wird.

Den Versuch, sich über die Zeit mit Pop-Arrangements zu retten und junge Leute begeistern zu wollen, beendeten Vereinsführung und Mitglieder schnell. Wohl auch in dem Wissen, dass Popmusik und Spielmannszug unvereinbar sind.

Die Überlegung, eine BigBand zu formieren, haben die Verantwortlichen ebenfalls wieder verworfen.

Man entschied sich letztlich für die Königsklasse – Ein Blas-Orchester in eindrucksvoller Besetzung. Was im Oktober 2011 mit 8 Personen begann, wuchs über wenige Monate zu einem stattlichen, grossen Orchester an. Die Begeisterung erfasste Jung, wie Alt. Dennoch gab es Zweifel. Wie nimmt uns das Publikum auf? Wie bekommen wir Sponsoren? Gerade für ein solches Orchester, ist es wichtig Unterstützer zu bekommen. Die Kostenlage ist eine ganz andere als vorher.

Am gestrigen Sonntag um 17 Uhr war es dann soweit. Das Moderne Blas-Orchester Kurpfalz Oppau zeigte unter der Leitung von Jungdirigent Dominik Civilotti sein Können und das Ergebnis der monatelangen Proben.

Trotz der kurzen Zeit des Zusammenspiels präsentierte sich das Orchester weitgehend als musikalische Einheit. An manchen Stellen fehlte noch die Routine. Dennoch waren sich Musiker, wie Laien einig. Es war ein eindrucksvolles Konzert mit vielen Höhepunkten. So etwas hatte Oppau noch nicht erlebt.

Darauf können wir stolz sein, so etwas im Ortsbezirk zu haben,
sagte Reinhard Reeb vom Pfälzerwaldverein.

Eingeleitet wurde das Konzert durch bekannte Stücke, wie Aeolian Winds von John F. Edmunds oder Tempest Rising von David Shaffer. Bereits hier überzeugten die Musiker die Zuhörer von der Qualität und dem zukünftigen Anspruch des modernen Blasorchesters.

Das Repertoire bewies den Zuhörern, dass sich das Orchester auch an schwierige Stücke traut. Jacob de Haans Contrasto Grosso gilt wegen der eigenwilligen Tonfolgen als echte Herausforderung. Der 1959 in den Niederlanden geborene Musiker, ist der wohl populärste und meistgespielteste Blasmusikkomponist der Gegenwart. Seine Werke sind Standards für Blasorchester in aller Welt.

Spätestens nach diesem Stück, wurde dem Publikum bewusst, was hier im Ortsbezirk gerade am entstehen ist. Es belohnte die Anstrengungen der Musiker mit mehrfachem lautem Beifall und Pfiffen. Das Eis war gebrochen.

Hier entsteht etwas Aussergewöhnliches,
sagte einer der Zuhörer ergriffen.

Dirigent Dominik Civilotti führte locker durch das Programm, indem er vor dem jeweiligen Stück, passende Hintergrund-Informationen erzählte.

Mit einem kleinen Medley aus Erfolgs-Songs von LadyGaga, bewies das Orchester kurz vor der Pause zudem die enorme Bandbreite des spielbaren Repertoires der Zukunft.

Nach der Pause legte das Orchester mit Palladio von Karl Jenkins und einer Concert Suite aus „Dance with the Wolves“ (Der mit dem Wolf tanzt) die Latte nochmals ein Stück höher. Dass bei diesem schwierigen Stück stellenweise die musikalische Einheit fehlte, lag einzig und allein an der fehlenden Routine im Zusammenspiel. So hatten die Musiker zu Beginn Schwierigkeiten zueinander zu finden.

Am Schluss spielte das Orchester ein Medley aus berühmten Filmmelodien. The Great Movie Adventures besteht aus drei Filmmelodien. StarWars, Jurassic Park und ET der Ausserirdische.

Das Publikum war restlos begeistert.

Die beiden Einlagen der Drumline des ehemaligen Spielmannszuges offenbarten die Kluft der Musikstile, die unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite das grobe, laute Klanggebilde, wie wir es aus Kerwezelten kennen. Auf der anderen Seite konzertante Musik, mit filigranen Tönen und Donnerschlägen. Ein Wechselbad der Emotionen im Spannungsfeld zwischen piano, stakkato und sforzato. Während des gesamten Konzertes war die volle Dynamik der Musik erlebbar.

So klingt der Unterschied zwischen gefälliger Trivialmusik und anspruchsvoller Orchestermusik. Eine Hommage an die Wurzeln des Vereins als Spielmannszug. Dabei sollte es dann auch bleiben.

Der eingeschlagene Weg, ist der Richtige. Musikern wie Dirigent war die Spielfreude deutlich anzumerken. Anfängliche Spannung löste sich in Aufbruchstimmung auf. Dem Publikum und uns hat es ausnehmend gut gefallen. Damit ist der Quantensprung in die moderne Zeit bravourös gelungen.

Wer den Verein unterstützen möchte, weitere Infos sucht, der schaut auf die Homepage und nimmt Kontakt auf hier

Wir brauchen Sponsoren und Unterstützer,
so Horst Bindner, erster Vorsitzender.