Frankenthaler Kanal

Wirtschaft zur Rheinlust von Fritz Öffler
Wirtschaft zur Rheinlust von Fritz Öffler

Der „Johann-Casimir-Canal“ war ein Vorläufer des Frankenthaler Kanales sein Bau wurde um 1580 begonnen. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) verfiel er. Nach langen Kriegswirren wurde 1772 unter Kurfürst Karl Theodor mit dem Aushub des Frankenthaler Kanales begonnen.

Zur Behebung des Arbeitskräftemangels wurden 216 Soldaten aus der Mannheimer Garnison zum Arbeitseinsatz am Kanal beordert. In den nachfolgenden Jahren wurden billige Arbeitskräfte aus ganz Süddeutschland angeworben. Anfangs waren 700 und gegen Ende knapp 1500 Arbeiter am Bau beteiligt. Viele der „Gastarbeiter“ hatten ihre Familien mitgebracht, die sie in den umliegenden Ortschaften unterbrachten. Auch Oberpfälzer und Franken waren dabei, selbst aus dem nahem Ausland kamen Arbeiter, wie zB. Italiener, Slowaken, Slowenen, und Kroaten, um an dem Kanal mitzuarbeiten.

1774 war die halbe Strecke erreicht und 1777 erfolgte der Rheindurchstich. Fertig wurde der Kanal erst, als das Kanalbett bewehrt und der Damm befestigt war. 1780 konnten die ersten Schiffstransporte durchgeführt werden. 1781 begann der Bau des Hafenbeckens und des Lagerhauses in Frankenthal, danach erst fand die Einweihung statt.

Der Kanal war etwa 4,6 km lang und hatte jedoch nur ein Gefälle von weniger als einem halben Meter, daher musste er durch regelmäßiges ausbaggern vom Schlamm freigehalten werden.

Die schweren Kriegsjahre der französischen Revolution und die damit einhergehende Einstellung der Instandhaltungsarbeiten ließ das Kanalbett mit seinem geringen Gefälle schnell verschlammen. Der Rückstau der Isenach verwandelte bestes Ackerland in einen stehenden See. Auch ein möglicher Bruch des Kanaldammes könnte zu einer Katastrophe führen, beklagte man. Selbst nach dem Besuch Napoleons 1806 wurden die notwendigen Reparaturen nicht durchgeführt. Das Rheinhochwasser von1816 brachte die Probleme zum Vorschein: die löchrigen Kanaldämme wurden einfach überflutet. Frankenthal, Edigheim und Mörsch mussten den Rheineinfluss des Kanals mit einem Damm verschließen. Aus dem Kanal wurde ein morastiger und toter Wasserarm.

Nach dem Ende der französischen Herrschaft in der Pfalz, gab es wieder Bemühungen, den Kanal funktionstüchtig zu machen. Auch eine Aktiengesellschaft war im Gespräch, Geldgeber fanden sich jedoch keine. Im Gegenteil, die umliegenden Gemeinden wünschten sich statt dessen zur Beseitigung der Probleme die komplette Einebnung des Kanales.

Am Rhein war jedoch mittlerweile eine andere Entwicklung im Gange: nach Plänen des damaligen badischen Obersten Tulla arbeitete man an der Rheinbegradigung. Die hatte eine nicht vorhersehbare Entwicklung zur Folge. Der Rhein floss nicht nur schneller, bald konnten auch größere Schiffe ihre Fracht transportieren, aber nicht mehr in den Kanal, denn ihre Tragkraft lag weit über 15-200t – die maximal mögliche Last für Schiffe im Kanal. Damit war das Lebensende des Kanals angebrochen.

Gasthaus zur Rheinlust vor der Einebnung im Landeshafen
Gasthaus zur Rheinlust vor der Einebnung im Landeshafen

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts forderte der zunehmende Schiffverkehr mit der BASF-Ludwigshafen immer mehr Umschlag- und Liegeplätze am Rhein. An der bisherigen Rhein-Einleitung des Kanals entstand 1976 die Einfahrt für den neuen Landeshafen Rheinland-Pfalz und BASF.

Das Gasthaus „Zur Rheinlust“ von Fritz Öffler „versank“ praktisch im Landeshafen, über seiner Stelle fahren heute Tankschiffe.

 

Oppau 17.12.2012 Rückbau statt Reparatur.
Oppau 17.12.2012 Rückbau statt Reparatur.

Vom Kanal nach Frankenthal ist nur noch ein Reststück mit einem Museumspavillon geblieben, welcher mittlerweile wegen dauernder Beschädigung und Vandalismus zurückgebaut wurde. Die Skulptur „Der Treidler“ wurde von der Stadt Frankenthal abgebaut und zurückgebracht.

Quelle: Der Frankenthaler Kanal – Stadtarchiv Ludwigshafen – Band 14, Bilder:  Sammlung Dörner, K-O-Braun-Museum, Stadtarchiv Ludwigshafen und Kurt Müller Oppau.Info-Archiv.

Die Bildserie:
Aus einer größeren Anzahl Bilder wurden 12 ausgewählt und deren Zustand mit heutigen Mitteln digital bearbeitet.