Horst Fischer Präsident des KOD und Fastnachts-Urgestein
Horst Fischer Präsident des KOD und Fastnachts-Urgestein

OPPAU – Am Samstag ist es wieder soweit. Die traditionelle Prunksitzung des KOD startet um 19:11 im Bürgerhaus in Oppau. Wir haben die Gelegenheit wahrgenommen und uns mit KOD-Präsident Horst Fischer im Vereinsheim in Edigheim getroffen.

Der Name Fischer ist im Ortsbezirk und weit darüber hinaus untrennbar mit der Fastnacht verbunden. Sein Vater, der legendäre Fastnachter Manfred Fischer, führte den KOD in den Spitzenzeiten zu Bekanntheit, weit über die Grenzen Oppaus hinaus. Der junge Horst Fischer bekam die Fastnacht als kleiner Junge mit auf den Weg. So war es denn eine logische Konsequenz, dass er in die Fußstapfen seines berühmten Vaters tritt.

Die Zeiten haben sich für alle Vereine geändert. Auch am KOD nagen die gesellschaftlichen Umbrüche. Aus diesem Grund wollten wir von Fastnachts-Urgestein Horst Fischer wissen, wo der KOD steht und wie er die Entwicklung in den kommenden Jahren sieht.

Red: Welche Aufgaben hat ein Präsident beim KOD?

Horst Fischer: Der Präsident ist zuständig für die Programmgestaltung der Sitzung und alle Fastnachtsangelegenheiten drumherum. Ich achte darauf, dass wir befreundete Vereine besuchen. Die gegenseitigen Besuche sind auch unterm Jahr wichtig. Also nicht nur zur Fastnacht.

Red: Seit wann machst du das mit der Fastnacht schon?

Horst Fischer: Ich bin seit 1964 im KOD. Als mein Vater damals Präsident wurde, bin ich bereits mitgegangen. Die haben mich damals in eine Unniform gesteckt und dann ging es los.

Red: Was hat sich verändert, wenn du die Entwicklungen anschaust?

Horst Fischer: Die Gesellschaft hat sich verändert. Wir hatten früher in allen Vereinen ein besseres Gemeinschaftsleben. So war auch der Zusammenhalt der Mitglieder untereinander teilweise besser.

Red: Wie hat sich die Fastnacht und der KOD verändert über die letzten Jahrzehnte?

Horst Fischer: Ich glaube, gerade weil im Fernsehen und Internet das ganze Jahr Comedy läuft, geht viel an der Fastnacht kaputt. Die Witze, die früher an der Fastnacht erzählt wurden, hatte man unter Jahr nicht gehört. So ist es für alle Büttenredner schwerer geworden, noch etwas Originelles zu bieten.

Dazu kommt, dass die Fernseh-Sitzungen die Erwartungen beim Publikum sehr hoch schrauben, so dass es die eigenen Kräfte doch sehr schwer haben.

Red: Früher hat man sich teure Büttenredner von ausserhalb geleistet. Auch das geht nicht mehr?

Horst Fischer: Richtig – Das ist zu kostenintensiv. Wenn Einer bei einer Fernsehsitzung aufgetreten ist, dann verlangt er einfach eine zu hohe Gage. Und da mache ich nicht mehr mit. So etwas sehe ich nicht ein. Deswegen helfen wir uns gegenseitig aus. Unser Patenverein der 1.KVL bestreitet ein Teil unseres Programms. Die helfen uns. Und wenn die Hilfe benötigen, dann gehen wir hin und unterstützen bei denen. Ohne das geht es nicht mehr.

Horst Fischer Präsident des KOD und Fastnachts-Urgestein

Red: Erinnerst du dich noch an die Highlights der Oppauer Fastnacht in 70er und 80ern?

Horst Fischer: Ja ich erinnere mich noch an die Zeit, als wir den großen Saal im Bürgerhaus hatten. Und trotzallem noch eine zweite Sitzungen machen mussten. Zu der Zeit hatten wir angefangen mit den Zunftsitzungen in der Athletenhalle. Dann wurden das auch zwei Sitzungen, weil der Andrang groß war.

Red: Hättest du gerne bestimmte Sachen aus dieser Zeit zurück? Vermisst du etwas Bestimmtes?

Horst Fischer: Mir fehlt das Gesellschaftleben von früher. Mir ist das heute zu schnell-lebig. Früher sind die Leute nach der Sitzung noch im Saal geblieben. Heute, kaum dass die Sitzung zu Ende ist, sind fast alle weg.

Red: Früher hat man dann nochmal getanzt und sich mit den Leuten am Tisch unterhalten. Das war auch ein ganz besonderer Event. Horst Fischer: Ja richtig.

Red: Was war für dich ein tolles Erlebnis?

Horst Fischer: Oh da gab es Viele. Ich fand es toll, als die Muskkapelle aus Bad Aussee kam. Wir hatten damals Jubiläum. Die reisten extra aus Österreich freitags Abends an. Die sind ja mehrmal gekommen. Das war einfach schön. Aber so etwas kann man sich als Verein heute nicht mehr leisten.

Red: Und ein weniger schönes Erlebnis?

Horst Fischer: Das war mal während einer Zunftsitzung. Wir hatten händeringend auf Büttenredner gewartet. Und die kamen einfach nicht. Und nun stehst du da. Vor dir das Publikum und es geht nicht weiter. Wir hatten damals Glück. Der Sohn des Musikers war damals dabei. Und der konnte singen. Der hat das dann überbrückt. Trotzdem läufst du da auf Grundeis.

Das ist eben das Risiko, wenn du gekaufte Büttenkräfte hast, die ja dauernd unterwegs sind. Die hängen dann im Stau oder haben anderweitige Verzögerungen wie Polizeikontrolle bspw. Dann sitzt du auf glühenden Kohlen. Dann muss improvisiert und rumgeschoben werden.

Red: Hast du in einer Präsidentenzeit schon richtig schlechte Büttenredner erlebt?

Horst Fischer: Ja das haben wir auch gehabt. Es kann dir passieren, dass du denkst: Hoffentlich ist es bald vorbei. Es ist immer so, dass du bei Büttenreden immer die Katze im Sack kaufst. Du weisst der oder die sind in den letzten Jahren gut gewesen. Und dieses Jahr haben die eine schlechte, bescheidene Büttenrede. Ich weiss letztlich nicht was der oder die Vortragende bringt. Da kann Einer zwei Jahre gut sein. Dann verpflichtest du den fürs kommende Jahr. Und nun hat er einen Absacker und hängt durch. Dann haste Pech gehabt. Damit musst du leben.

Red: Also hast du alles erlebt und so richtig aus der Bahn werfen wird dich nichts?

Horst Fischer: Nein – nicht großartig. 1985 hatten wir mal eine Bombendrohung. Also selbst das bringt mich nicht mehr aus der Ruhe.

Red: Siehst du eine Zukunft für die Fastnacht in Oppau und Umgebung?

Horst Fischer: Ja ich sehe eine Zukunft. Aber für den Einen oder Anderen Verein wird es schwieriger werden. Bei manchen Vereinen werden die Aktiven immer weniger. Dann reduziert sich die Garde oder der Elferrat.

Red: Hier müssten die Vereine investieren können – Über Sponsoren zum Beispiel

Horst Fischer: Mit Sponsoren ist das so eine Sache. Die werden immer weniger. Heute ist jeder Verein froh, wenn er noch ein paar kleinere Sponsoren bekommt. Die Zeit der großen Sponsoren ist sowieso vorbei. Du bekommst heute noch kleine Sachen gesponsort, wo du froh drüber bist. Und irgendwann muss man als Verein mit einem anderen Verein zusammengehen um zu überleben. Das haben wir ja auch schon gehabt in Ludwigshafen.

Red: Wir sprechen auch über Nachwuchsprobleme?

Horst Fischer: Ja – wie bei allen anderen Vereinen, haben wir auch Nachwuchssorgen. Es will kaum jemand noch Verantwortung übernehmen. Die wenigsten wollen noch was arbeiten im Verein. Es sind immer die Gleichen, die mitanpacken und die Verantwortung tragen. Die stehen an der Front und leisten die Arbeit.

Red: Und wenn es die mal nicht mehr gibt und kein Nachwuchs da ist?

Horst Fischer: Da müssen die Verblieben sich durchquälen oder den Verein auflösen.

Red: Haben Vereine generell noch eine Chance?

Horst Fischer: Ich glaube, dass der Trend wiederkommt, dass man mehr in Vereine geht.  Um in Gesellschaft zu sein. Durch die Medienvielfalt sind die Leute oftmals isoliert. Man verliert den menschlichen Kontakt.

Red: Lass uns noch über die Prunksitzung sprechen. Wielange hat deine Vorbereitungszeit gedauert bis das Programm stand?

Horst Fischer: Nach der Prunksitzung ist vor der Prunksitzung. Es geht im Prinzip gleich danach los. Ich habe jetzt schon meine Fühler ausgestreckt für das kommende Jahr. Du musst sehr früh an die Leute ran, sonst sind die weg und anderweitig gebucht. Der Musiker muss sich den Termin fetsthalten. Die Garde vom befreundeten Verein hat ja uch Termine. Die heisse Phase beginnt bei mir nach der Kerwe. Da geht es bei mir los. Weil es ja ab November schon losgeht.

Red: Warum tust du dir das Jahr für Jahr an?

Horst Fischer: Es macht mir immer noch großen Spaß und Freude.

Red: Wieviel Leute sind im Hintergrund an so einer Sitzung beteiligt

Horst Fischer: Es sind Mitglieder und Nichtmitglieder die mitanpacken. Es sind ca. 30 bis 40 Leute die im Hintergrund mithelfen. Der Aufbau im Bürgerhaus hat gestern begonnen. Es geht los mitr der Bühnendeko. Dann folgt die Bestuhlung. Stoffbahnen aufhängen, Saaldeko. Ich rechne so 4 bis 5 Tage. Das abbauen geht ab Samstag Nacht schnell. Wir übergeben den Saal an die ARGE, die ja am Sonntag drin ist. Die Bühne wird am kommenden Montag saubergeamcht und die Deko abgebaut. Der Abbau geht schnell. Die Saaldeko lassen wir noch drin. Die nutzen auch noch die anderen Vereine die noch kommen.

Red: Wer macht bei Euch die Deko?

Horst Fischer: Das machen wir alle gemeinsam. Es ist Eigenbau und wir wissen inzwischen wie wir das anbringen oder aufhängen. Die Girlanden aufzuhängen ist das zeitintensivste. Es gibt nur einen Hubsteiger und da musst du halt rauf und runter. Das kostet uns immer ca. 2 Tage.

Red: Gibt es noch Karten?

Horst Fischer: Ja es gibt noch. Zeitschriften Osieka, Oppau.

Ich freue mich und hoffe, dass alles gut gelingt und dass es den Leuten vor allen Dingen Spass macht.

Red: Wir bedanken uns für das Gespräch

Die Prunksitzung ist am Samstag 02.02.2019 im Bürgerhaus. Alle BesucherInnen dürfen sich auf ein kurzweiliges Programm mit vielen tollen Darbietungen freuen.