PFINGSTWEIDE – Der Name Laienspielkreis klingt zunächst einmal angestaubt. Zumindest, wenn man in der heutigen Zeit Anglizsimen gewohnt ist. Wer dann eine spröde Aufführung erwartet hatte, wurde mehr als positiv überrascht. Hinter dem konservativ klingenden Namen verbergen sich Spielfreude, Witz und Können auf einem hohen Niveau.

Haushälterin und der Gärtner
Haushälterin und der Gärtner

Der Laienspielkreis Albertino ist zu Recht, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Am Samstag war es wieder soweit. Das neue Stück hatte Premiere: Der verfluchte Baron.

Der Baron ist aber nicht nur verflucht. Er macht seinem Namen alle Ehre. Eduard von Memmenstein. Und er ist wirklich eine Memme. Durch Ahnenforschung angetrieben, bildet er sich schnell ein, seine Familie sei von einem Fluch befallen. Und er müsse ebenfalls wie seine Vorfahren ins adlige Gras beissen. Aus dieser anfänglich harmlos klingenden Ausgangslage, entwickelte sich ein Lustspiel mit Tempo, Witz, Spannung und sehr guten Dialogen.

Alle Laienschauspieler verkörperten ihre Rollen glaubhaft mit deutlich spürbarem Herzblut und Spaß.

Die Verwicklungen und die ausgefeilten Dialoge sorgten für einen Lacher nach dem anderen. Die so lieb und freundlich auftretenden Charaktere trachten dem Baron allesamt nach seinem Leben. Schließlich will man sich das Erbe unter den Nagel reißen. Ob Gärtner und Haushälterin, Cousine Auguste nebst Liebhaber. Sie alle schmieden niederträchtige Pläne. Eine leicht zurückgebliebene Krankenschwester soll im Auftrag der „Hinterbleibenen“ auf den bald sterbenden Baron aufpassen. Anhänger ganzheitlicher Esoteriklehren bekommen in Person der Gabi Fenchel ebenfalls ihr Päckchen ab. Die Feng Shui-Beraterin mit dem Chi (Hatschi – Gesundheit) entdeckt natürlich als Wünschelrutengängerin eine Wasserader. Als Sahnehäubchen vervollständigt der Pfarrer den munteren Reigen der Erbschleicher im Hause Memmenstein.

Das Publikum war bereits in der Pause voller Begeisterung und hingerissen. Diese Inszenierung steht professionellen Bühnen kaum nach. Die Verwicklungen und Verstrickungen im Hause Memmenstein sind lebendig erzählt. Die Darstellungen der Charaktere glaubhaft. Und so mancher fühlte sich in die Zeit des Ohnsorgtheaters Hamburg oder des Millowitsch-Theater in Köln versetzt.

Erbschleicher Pfarrer ist besorgt um sein „Erbe“

Ein Wermutstropfen hat die Sache dennoch: Der Laienspielkreis bringt immer nur ein Stück pro Jahr. So müssen wir wieder bis 2020 warten, um in den nächsten Genuß dieser Truppe zu kommen.

Von uns eine eindeutige Empfehlung. Die letzten Aufführungen solltet ihr Euch nicht entgehen lassen. Besucht auf jeden Fall die ausstehenden Aufführungen (Termine siehe unten). Es lohnt sich in jedem Fall.

Lustspiel in drei Akten von Heinz-Jürgen Köhler. Inszenierung und Regie: Astrid und Hans-Peter Schmitt

Das Ensemble

  • Eduard von Memmenstein: Hans-Peter Schmitt
  • Auguste von Memmenstein: Astrid Schmitt
  • Oskar Liguster: Manfred Hahn
  • Klara Feutel: Iris Gutheil
  • Balduin Mießling: Michael Müller
  • Gabi Fenchel: Kirsten Ehnert
  • Pfarrer: Wilfried Thielecke
  • Lorenz Federkiel: Sebastian Heitz
  • Briefträger: Klaus Ulke

Team

  • Souffleuse: Melanie Wolf
  • Maske: Maria Kestler
  • Licht und Ton: Kurt Mannweiler
  • Fotographie: Wilfried Thielecke, Karl Hellmann
  • Video-Aufnahmen: Frank Bikar
  • Zeichnung: Edith Pfeiffer

Aufführungstermine 2019

  • Samstag, 27. April, 19:30 Uhr
  • Sonntag, 28. April 17:00 Uhr ab 15:30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen im Foyer
  • Montag, 29. April, 19:30 Uhr
  • Mittwoch, 01. Mai, 17:00 Uhr ab 15:30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen im Foyer
  • Freitag, 03. Mai, 19:30 Uhr
  • Samstag, 04. Mai, 19:30 Uhr
Cousine Auguste mit Erbschleicher Liebhaber